Aller guten Dinge sind drei – ein weiterer Schwarm

Die letzten Tage im Mai geben unsere Bienen so richtig Gas. Vor wenigen Tagen konnten wir zwei wunderschöne Schwärme einsammeln. Wir haben von den Imkern, die sie übernommen haben, gehört, dass sich die beiden Völker gut eingelebt haben.

Wir sind mit drei Völkern aus dem Winter gegangen und haben daher schon geahnt, dass es mit den beiden Bienenschwärmen nicht getan ist. Daher gehen wir momentan jeden Tag zu den Bienen und sehen nach. Heute hat sich das bezahlt gemacht. Der dritte Schwarm war da. Nicht ganz so groß wie die ersten beiden aber trotzdem ein stattliches Völkchen (siehe Foto oben).

Lerne: Alles vorher doppelt und dreifach kontrollieren

Das Einfangen war auch dieses Mal wieder ein Kinderspiel. Die Bienen saßen in Griffhöhe auf einem dünnen Ast. Allerdings ist uns die Übung, die wir mittlerweile im Schwarmfangen haben, etwas zu Kopf gestiegen. Wir haben zwar die Beute mehrfach kontrolliert, jedoch übersehen, dass die Rähmchen um 90° verdreht drinnen hängen. Dadurch liegen sie ein paar Millimenter höher und der Deckel ging nicht ganz zu 😦

Auf dem folgeden Foto erkennt man unser Missgeschick wenn man genau hin sieht. Der Deckel sitzt nicht genau am Rahmen auf.

Blog_20150529_2

Das hieß ab in den Keller und schnell etwas basteln. Ein Holzbrett wurde zersägt, daraus ein Rahmen gemacht und zwischen Brutraum und Deckel gelegt. So ließ sich das Problem lösen.

Wir haben daraus gelernt, dass man die Bienenutensilien beim Schwarmfangen nicht oft genug kontrollieren kann. Wenn es mal losgegangen ist, ist oft wenig Zeit oder Gelegenheit, schlechte Vorbereitung auszubessern.

Am Abend warfen wir noch einen Blick auf unseren neuen, vierten Stock. Alles war ruhig und hoffentlich fangen die Bienen morgen Früh gleich fleißig an zu sammeln. Das Wetter kommt ihnen die nächsten Tage auf jeden Fall entgegen.

Advertisements

Zwei Bienenschwärme

Titelfoto in voller Auflösung auf Flickr ansehen

Im Moment macht der Frühling bei uns gerade Pause. In der letzten Woche war das Wetter alles andere als schön. Die Temperatur kletterten nur knapp über 10° und von der Sonne war kaum etwas zu sehen. Der heutige Tag war auch durchwachsen aber zumindest mal etwas wärmer (ca. 15°) und wenig Regen.

Unseren Bienen ging das Regenwetter der letzten Woche offenbar auch auf den Geist. Als wir heute Mittag nach ihnen sahen, wurden wir von gleich zwei Bienenschwärmen überrascht (Foto anklicken zum Vergrößern).

Zwei Bienenschwärme

Unsere Bienen waren diesmal sehr nett zu uns. Beide Schwärme hingen in Greifweite an dünnen Ästen. Sie warteten nur darauf, abgeholt zu werden. Mit einer Baumschere schnitten wir kleinere Äste weg, damit wir einen Baumwollsack über den Schwarm streifen konnten. Anschließend schnitten wir die Äste einfach ab, trugen die Bienen darauf zur neuen Beute und schütteten sie hinein. Am folgenden Foto sieht man, wie wir das gemacht haben (anklicken zum Vergrößern). Man sieht hier die Warré-Beute des Imkers, an den wir einen der Schwärme weitergegeben haben.

Blog_20150525_3

Nach ein paar Minuten sammelten sich am Baum ein paar Bienen, die wir nicht erwischt hatten. Wahrscheinlich waren sie gerade in der Luft als wir die anderen eingefangen haben. Da die Bienen in so bequemer Höhe hingen, war es ein Kinderspiel, die kleinen Äste, auf denen sich die paar Hände voll Bienen gesammelt hatten, abzuschneiden und vor die Beute zu legen.

Das Schauspiel danach war beeindruckend. Kaum vor der Beute angekommen, machten sich die Tiere zielstrebig auf den Weg ins neue Zuhause. Wir haben, wie man am nächsten Foto (anklicken zum Vergrößern) sieht, mit einem Brett und einem weißen Stofftuch den Weg erleichtert. Am linken Foto ist unsere Dadant-Beute abgebildet, am rechten die zuvor erwähnte Warré-Beute.

Blog_20150525_5 Blog_20150525_4

Besonders gefreut hat uns, dass wir einem befreundeten Jungimker, der so wie wir vor drei Jahren mit Naturschwarm und Naturbau starten wollte, zu seinem ersten Bienenvolk verhelfen konnten.

Hier zum Abschluss noch ein Foto unserer Bienen, wie sie in ihr neues Zuhause einziehen (anklicken zum Vergrößern).

Blog_20150525_6

Dickes Lob an die Linz AG: Blühstreifen bei der Straßenbahn

Wir möchten uns an dieser Stelle bei der Linz AG, dem Betreiber der öffentlichen Verkehrsmittel in unserer Heimatstadt, bedanken. Als Imker finden wir es eine super Sache, dass entlang der Straßenbahnlinie 3 statt kahlgeschnittenem Gras kilometerlange, breite Blühstreifen zu sehen sind. Es wurden nur die Fahrspuren der Straßenbahn gemäht.

Blog_20150516_4

Links, rechts und in der Mitte blüht momentan vor allem Klee. An der Straßenbahnhaltestelle, die wir häufig verwenden, blüht sogar eine Wildrose mit offenen Blüten.

Blog_20150516_3

Wir und die Bienen sind von der Aktion der Linz AG begeistert. Es brummt nur so im Blühstreifen. Im Moment zieht – wie das folgende Foto zeigt – natürlich der Klee die Insekten magisch an.

Blog_20150516_2

Es wäre zu schön, wenn sich mehr öffentliche Stellen, Bauern, Firmen, private Gärtner etc. dazu durchringen, statt kurzgeschorener Wiesenflächen, die für Bienen ungefähr so wertvoll wie für uns Wüsten sind, Blumenwiesen wachsen zu lassen. Es ist weniger Arbeit, sieht wunderschön bunt aus und trägt aktiv zum Bienenschutz bei.

In diesem Sinne: Nochmals vielen Dank, liebe Linz AG!

Kokos-Joghurt Torte mit Kicherschnee

In Kochblogs gibt es sein einiger Zeit einen neuen Trend, den ich unbedingt mal ausprobieren wollte – den Kicherschnee. Dazu wird von einem Glas Kichererbsen die Flüssigkeit, die man normalerweise wegschüttet, wie Eiklar aufgeschlagen. Ich konnte mir zwar kaum vorstellen, wie aus dem dünnen Saft ein fester Schnee werden sollte, doch sobald man den Mixer einschaltet sieht man, wie sich der erste weiße Schaum bildet und in kürzester Zeit hat man stabilen Schnee in der Schüssel – genau wie bei Eiklar. Wirklich faszinierend!

Auf der Seite KochTrotz gibt’s einen umfassenden Erfahrungsbericht zur Eischneealternative aus Kichererbsen, in dem verschiedene Produkte, Bindemittel und Rezepte vorgestellt werden.

Im folgenden Rezept habe ich den Kicherschnee sowohl in den Tortenboden als auch in die Creme eingebaut. In der Creme hat der Kicherschnee gegenüber herkömmlichen Schnee – auch wenn man sonst Eier isst – den Vorteil, dass man sich keine Sorgen wegen Salmonellen machen muss, obwohl der Schnee in der Creme nicht erhitzt wird.

Das Rezept ergibt eine Torte mit ca. 20 cm Durchmesser. 190 kcal / Portion bei 10 Portionen.

Benötigte Zeit:

Aktive Zeit: ca. 45 – 60 Minuten, Backzeit: 20 Minuten

Zutaten Tortenboden:

130g Sojamilch
10g Apfelessig
30g Kokosmilch
40g Sojasahne
50g Zucker

20g Abtropfflüssigkeit von Kichererbsen im Glas

12g Hafer
30g Qinoa
60g Weizenvollkornmehl
25g Weizenkeime
10g Kokosflocken
5g Pfeilwurzelmehl
4g Natron
3g Backpulver
1 Prise Salz

Zutaten Creme:

200g Himbeeren
25g Gelierzucker

40g Abtropfflüssigkeit von Kichererbsen im Glas
oder 10g MyEy Eiweiß mit 50g Wasser
oder eine Mischung aus beiden (ich hab’ von beiden je die Hälfte genommen)
200g Sojamilch
100g Kokosmilch
50g Zucker
20g Kokosflocken
knapp 1/4 TL Agar Agar (ich verwende hier zum Messen einen englischen 1/4 Teaspoon, der 1,25 ml Flüssigkeit fasst: http://en.wikipedia.org/wiki/Cooking_weights_and_measures)
20g Maisstärke
20g weiße Schokolade
100g Sojajoghurt Natur

ca. 10g Kokosflocken zum Bestreuen

Zubereitung Tortenboden:

  1. Ofen auf 190° C Umluft vorheizen.
  2. Sojamilch mit Apfelessig vermischen und 10 Minuten stehen lassen.
  3. Kichererbsensaft wie Eischnee aufschlagen, nach einigen Minuten 20g Zucker einrieseln lassen und nochmal einige Minuten weiterschlagen.
  4. Kokosmilch, Sojasahne und restliche 30g Zucker aufschlagen.
  5. Sojamilch-Essigmischung zur Kokosmilchmischung hinzugeben und kurz aufschlagen.
  6. Hafer, Quinoa, Weizenmehl, Weizenkeime, Kokosflocken, Pfeilwurzelmehl, Natron, Backpulver und Salz vermischen.
  7. Mehlmischung unter die Milchmischung rühren.
  8. Kichererbsenschnee unterheben.
  9. 20 Minuten bei 190° C Umluft backen.

Zubereitung Creme:

  1. 100g Himbeeren und 25g Gelierzucker einige Minuten aufkochen, dabei die Himbeeren zerdrücken, sodass ein dicker Fruchtaufstrich entsteht.
  2. Tortenboden mit dem Fruchtaufstrich bestreichen und die restlichen Himbeeren darauf verteilen.
  3. Tortenring um den Tortenboden geben, damit die Creme darin dann festwerden kann.
  4. Kichererbsensaft oder MyEy Eiweiß (bzw. ein Mischung aus beiden) zu Schnee schlagen.
  5. Agar Agar mit etwas Milch verrühren.
  6. Stärke mit etwas Milch verrühren.
  7. Restliche Milch, Kokosmilch, Zucker und Kokosflocken in einem Topf zusammengeben, Agar Agar Mischung hinzufügen und ca. 5 Minuten kochen.
  8. Milchmischung von der Herdplatte nehmen und die Stärkemischung einrühren. Die Milchmischung dickt jetzt schnell ein.
  9. Schokolade dazugeben und schmelzen lassen.
  10. Joghurt dazurühren – am besten noch auf der warmen Herdplatte da die Mischung durch das Agar Agar sonst schnell zu stocken beginnt.
  11. Die Mischung in eine Schüssel umfüllen, schnell den Kichererbsenschnee unterheben und dann sofort in die Tortenform gießen. Diese Schritte müssen schnell gehen, da das Agar Agar beim Abkühlen schnell zu stocken beginnt.
  12. Im Kühlschrank über Nacht kaltstellen, damit die Creme fest wird.

Lasst es euch schmecken!

Robuste, sturmfeste Bienen

Letzte Woche fegte Sturm Niklas über Leonding. Dauerregen, orkanartige Sturmböen, Hagel, Schnee – alles war dabei. Am Mittwoch hatte ich unter Tags schon ein ungutes Gefühl. Unser Bienenstand hatte in den letzten zwei Jahren schon einige Stürme ohne Schaden überstanden. Der Sturm kam mir aber stärker vor als alle zuvor.

Am Nachmittag nach der Arbeit fuhr ich sofort zum Baumarkt, um zwei Gurte zu kaufen, mit denen ich die Beuten zusätzlich zu den schweren Fliesen und Baumscheiben am Deckel fixieren wollte. Als ich zum Standplatz kam bewahrheiteten sich meine Befürchtungen. Ein Stock war abgedeckt, der Deckel lag meterweit entfernt. Am zweiten Stock hing der Deckel auch schon windschief drauf.

Ein Blick in die Beute zeigte zwar, dass noch Bienen drinnen saßen. Hoffnung, dass sie den Sturm und Starkregen ohne Deckel überstanden hatten, hatte ich nicht sonderlich viel.

Endlich ist der Frühling bei uns in Leonding angekommen

Endlich ist der Frühling bei uns in Leonding angekommen

Nichts da 🙂 Heute ist der Frühling endgültig in Leonding angekommen und alle unsere drei Stöcke sind am Leben, munter und fest am Fliegen. Erstaunlich wie robust die Bienen sind. Die kleinen Insekten erscheinen auf den ersten Blick so zerbrechlich. In Wirklichkeit halten die aber ordentlich was aus.

Sturm überstanden, am Leben und munter am Fliegen

Sturm überstanden, am Leben und munter am Fliegen

Fundstück des Tages

Noch ein ganz anderes Thema zum Schluss: Kürzlich ist mir eine beeindruckende Crowd Funding Campagne bzgl. Imkerei untergekommen. Das Team von Flow Hive hat eine Wabe erfunden, die angeblich die Honigernte revolutionieren soll. Sie wollten 70 000$, um das Produkt produzieren zu können. Die weltweite Internetgemeinde hat mittlerweile schon unglaubliche 9,1 Mio.$ investiert und die Kampagne läuft sogar noch weitere 10 Tage.

Wir sind bei dem Produkt recht skeptisch. Es wäre uns etwas zu viel Plastik im Bienenstock. Falls es aber jemand von euch probiert, lasst uns eure Erfahrungen und eure Meinung wissen.

Dattel-Mandel-Schoko Osterlamm

Damit zu Ostern auch die Hühner schöne Feiertage haben, gibt’s bei uns vegane Osterlämmer ohne Milch und Ei als Geschenk. Inspiriert wurden wir von den Schokolade-Dattel Muffins aus dem Buch Vegan Chocolate, so mussten dieses Jahr unbedingt Datteln in den Teig. Nach einigen Versuchen haben wir uns dann noch für gemahlene Mandeln und Schoko-Stückchen als Hauptzutaten entschieden.

Ein Lamm (Form mit ca. 700 ml), 160 kcal bei 8 Portionen.

Benötigte Zeit:

Aktive Zeit: ca. 30 Minuten, Backzeit: 30 Minuten

Zutaten:

60g getrocknete Datteln (ca. 3 Stück)

130g Sojamilch
10g Apfelessig
70g Sojasahne
40g Zucker

12g Hafermehl
30g Quinoamehl
60g Weizenvollkornmehl
35g gemahlene Mandeln
5g Pfeilwurzelmehl
4g Natron
3g Backpulver
Salz

20g Schokolade

Butter für die Form
gemahlene Mandeln oder Haferkleie zum Ausstreuen der Form
Staubzucker zum Bestreuen

dattel-mandel-schoko-osterlamm-3

Zubereitung:

  1. Datteln entkernen und falls sie sehr klebrig sind für 20 – 30 Minuten tiefkühlen.
  2. Ofen auf 190° C Umluft vorheizen.
  3. Sojamilch und Apfelessig vermischen und 20 Minuten stehenlassen bis sich eine buttermilch-ähnliche Flüssigkeit gebildet hat.
  4. Sojasahne kurz aufschlagen, Zucker hinzufügen und nochmal kurz weiterschlagen. Die Sahne muss nicht steif werden.
  5. Hafer-, Quinoa- und Weizenvollkornmehl, gemahlende Mandeln, Pfeilwurzelmehl, Natron, Backpulver und Salz vermischen.
  6. Datteln in kleine Würfel schneiden und mit dem Mehl vermischen. Wenn sie sehr zusammenkleben, kann man sie mit den Fingern im Mehl zerkrümeln bis die einzelnen Stücke nicht mehr sehr kleben.
  7. Schokolade klein hacken und zur Mehlmischung hinzufügen.
  8. Milch zur Sojasahne hinzufügen und nochmal kurz schlagen.
  9. Mehlmischung vorsichtig unter die flüssigen Zutaten heben.
  10. Form mit Butter einfetten und mit Mandeln oder Haferkleie ausstreuen.
  11. 30 Minuten bei 190° C Umluft backen.
  12. Nach dem Abkühlen mit Staubzucker bestreuen.

Frohe Ostern!

dattel-mandel-schoko-osterlamm-2

Die Bienensauna

Titelfoto auf Flickr in voller Auflösung ansehen. Restliche Fotos anklicken zum Vergrößern.

Heute war das Team der Bienensauna zu Gast bei uns in Linz. Gastgeber war die Linzer Biene. Die Bienensauna ist ein neues Gerät zur Chemie-freien Behandlung von Bienenvölkern gegen die Varroamilbe. Es ist also eine Alternative zu Produkten wie dem Varroacontroller oder dem Varroa Kill.

Mir persönlich liegt dieses Thema sehr am Herzen. Ich kann mich noch gut an unsere erste Imker-Schulung erinnern. Dort wurde unter anderem die Varroa-Behandlung mit verdampfter Oxalsäure erklärt und dabei sahen wir ein Foto eines Imkers, der am Bienenstand mit Atemschutzmaske arbeitete. Dieses Bild hat mich schockiert. Schutzmaske und Bio-Imkerei passten in meinem Kopf einfach nicht zusammen (daher behandeln wir bisher recht erfolgreich mit dem Nassenheider Verdunster und ohne Oxalsäure). Seit damals bin ich sehr interessiert an allen Ansätzen, die ohne Chemie auskommen würden.

In diesem Blogartikel möchte ich den Inhalt der heutigen Veranstaltung zur Bienensauna zusammenfassen. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen Imker, der nicht die Gelegenheit hat, eine Präsentation der Bienensauna persönlich zu erleben.

Richard Rossa, der Erfinder der Bienensauna, zeigt sein Produkt

Richard Rossa, der Erfinder der Bienensauna, zeigt sein Produkt

Grundprinzip: Hyperthermie statt Chemie

Die Bienensauna setzt auf die Wirkungsweise der Hyperthermie. Bei diesem Verfahren nutzt man die Tatsache, dass Varroamilben gegenüber Wärme empfindlicher sind als Bienen. Hyperthermie wird nicht nur bei Bienen und Varroamilben eingesetzt sondern wird auch beim Menschen zum Beispiel als ergänzende Behandlung bei Krebserkrankungen verwendet.

Es gibt eine Menge Herausforderungen bei der Anwendung von Hyperthermie im Bienenstock. Hier einige Beispiele:

  1. Die Wärme muss gleichmäßig im Stock verteilt werden (auch als Wärmegleichgewicht bezeichnet). Es darf keine kühlen oder zu heißen Stellen geben. Ansonsten überlebt dort die Milbe oder werden die Bienen durch zu hohe Temperatur geschädigt.
  2. Es muss eine Temperatur erreicht werden, die die Milben abtötet, den Bienen aber nicht schadet.
  3. Die Luft muss im Stock zirkulieren können (“Lüftungskanal”).
  4. Die Bienen müssen sich gut im Stock verteilen und nicht durch Klumpen die Behandlung beeinträchtigen.
  5. Die Behandlungsdauer muss abhängig von vielen Faktoren (z.B. Außentemperatur, Größe der Beute, Behandlung mit oder ohne Bienen etc.) geregelt werden.
  6. Die Wärmeerzeugung braucht viel Energie, es muss also eine Lösung für die Stromversorgung auch an entlegenen Bienenständen gefunden werden.

Ein Hyperthermiegerät ist also keine Bastlerei auf ein Wochenende. Es braucht schon ein professionelles Herangehen wie bei der Bienensauna oder den oben genannten Alternativgeräten.

Warum Hyperthermie und nicht Säure oder Medikamente?

Wozu braucht es eigentlich eine Alternative? Was ist schlecht an der Behandlung mit Säure? Hier einige Beispiele:

  1. Die Dosierung der Säure ist ein schmaler Grad. Es kann leicht zu Schädigungen der Völker durch Verätzung von Bienen kommen. Behandelt wird vor und während des Winters, also in einer für das Volk kritischen Phase. Jede Schädigung kann das Überleben der Bienen gefährden.
  2. Die Säurebehandlung ist nicht jederzeit möglich. Während Honig eingetragen wird geht es nicht, denn die Säure würde den Honig beschädigen. Bei Ameisensäure darf es nicht zu kalt sein, damit sie gut verdunsten kann. Für Oxalsäure muss das Volk brutfrei sein (nicht einfach bei den warmen Wintern, die wir momentan haben).
  3. Medikamente sind problematisch da sich die Milben relativ schnell daran gewöhnen. Hyperthermie setzt auf biochemische Vorgänge, an die sich der Organismus nicht gewöhnen kann. Natürlich könnte sich die Milbe durch Evolution physisch verändern, dieser Prozess würde jedoch viel Zeit in Anspruch nehmen.

Ein Hyperthermiegerät, im speziellen die Bienensauna, hat im Vergleich dazu viele Vorteile:

  1. Die Behandlung ist jederzeit möglich, selbst während der Honigernte wenn es sein muss. Im Gegensatz zu Säure oder Medikamente wirkt sich die Wärmebehandlung nicht negativ auf den Honig aus, weil die Wärmeleistung zu gering ist, um die Honigmasse zu durchdringen.
  2. Die Wärme wirkt sowohl auf die Milben, die auf den Bienen sitzen (adulte Milben) als auch auf die Milben in der Brut (juvenile Milben, noch empfindlicher auf Wärmebehandlung als adulte). Insofern kann man mit Bienen, Waben ohne Bienen, Ableger etc. behandeln.
  3. Bei Bedarf kann man durch verringerte Temperaturen den Bienen helfen, außergewöhnliches Schlechtwetter z.B. im Frühling zu überstehen oder die Honigreifung unterstützen.
  4. Es kann ohne weiteres öfter behandelt werden (z.B. bei Reinvasion), da die Bienen nicht geschädigt werden.

Den Vorteilen steht natürlich der Anschaffungspreis gegenüber. Das Bienensauna-Team widmet dieser Frage eine eigene Seite zum Thema Rentabilität.

Aufbau der Bienensauna

Cornelia Rossa-Comes zeigt ein Heizelement, das mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden kann

Cornelia Rossa-Comes zeigt ein Heizelement, das mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden kann

Die Bienensauna wird in einen speziellen Beutenboden (im Lieferumfang enthalten) eingeschoben und wärmt von unten. Sie besteht aus mehreren Heizmodulen (ausbaubar und getrennt zu tauschen im Fall von Defekten) mit unabhängig gesteuerten Lüftern, die die warme Luft nach oben durch ein feinmaschiges Gitter blasen. Im Gerät unten sind auch Temperaturfühler eingebaut, die zur Regelung der Temperatur verwendet werden.

Die Bienensauna wird in den Universalboden eingeschoben

Die Bienensauna wird in den Universalboden eingeschoben

Bezüglich Boden hat man zwei Möglichkeiten:

  1. Man hat einen Boden für die Bienensauna und tauscht den normalen Boden, der immer unter den Bienen steht, während der Behandlung durch den Boden für die Bienensauna aus.
  2. Man kauft sich mehrere Böden und stellt alle Völker dauerhaft auf einen Bienensauna-kompatiblen Boden. Das macht die Behandlung natürlich noch bequemer.

Oben auf die Beute wird ein spezieller Deckel gelegt (im Lieferumfang enthalten). Er sorgt für einen Abstand von drei bis vier Zentimeter zwischen Wabenoberseite und Deckel damit die Luft dort gut zirkulieren kann. Der Deckel hat außerdem ein Loch, durch den ein weiterer, mit dem Gerät unten verbundener Temperaturfühler in den Stock gesteckt wird.

Die Bienen bleiben während der Behandlung ganz ruhig; im Hintergrund der Temperaturfühler

Die Bienen bleiben während der Behandlung ganz ruhig; im Hintergrund der Temperaturfühler

Die Stromversorgung geschieht entweder über ein spritzwassergeschütztes Netzteil, das am Stromnetz oder an einen Generator angeschlossen wird. Alternativ wird die Bienensauna auch mit Akku statt Netzteil angeboten. Der Akku reicht für eine Behandlung und kann danach binnen ca. sechs Stunden wieder aufgeladen werden. Die Leistung der Bienensauna beträgt 800W bei 48V Spannung. Der leistungsfähige Spezialakku ist also wirklich notwendig. Der Preis zum Kaufen weiterer Akkus ist leider relativ hoch (ca. 450€).

Florian Deising zeigt den Akku der Bienensauna

Florian Deising zeigt den Akku der Bienensauna

Funktionsweise der Bienensauna

Wie erwähnt bläst die Bienensauna von unten warme Luft in die Beute. Wichtig ist, dass die Luft zirkulieren kann. Dafür muss durch Entnahme zweier Rähmchen am Rand (eines links, eines rechts) eine Art Lüftungskanal erstellt werden.

Heizelemente der Bienensauna

Heizelemente der Bienensauna

Durch die Regelungselektronik wird der Stock langsam und gleichmäßig auf knapp über 40° erwärmt und für ca. 45 Minuten auf dieser Temperatur gehalten. Je nach Größe der Beute (ein Raum, mehrere Räume, verschiedene Beuteformate) dauert die Behandlung zwischen 1,5 und drei Stunden.

Ein optionales Befeuchtungsmodul (noch nicht fertig, konnte daher heute nicht gezeigt werden) kann Wasser mit Ultraschall verdampfen. Die feuchte Luft kann zur Regelung der Luftfeuchtigkeit in den Stock geblasen werden. Dieser Prozess wird von der Regelelektronik automatisch gesteuert. Natürlich kann über diesen Weg auch normale Außenluft eingeleitet werden (um einem erhöhten CO² Gehalts während der Behandlung vorzubeugen).

Während der gesamten Anwendung zeichnet die Elektronik Sensordaten auf (z.B. Temperatur, Geschwindigkeit der Lüfter etc.). Die Bienensauna kann über USB an PC oder Mac angeschlossen werden. Eine spezielle Software überträgt dabei die Sensordaten zu den Bienensauna-Servern. Dort werden diese Daten zur Fehleranalyse, zur Verbesserung der Regelungsalgorithmen und zur Hyperthermie-Forschung in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten verwendet. Die Übertragung der Sensordaten muss mindestens einmal jährlich geschehen, damit man in den Genuss der fünfjährigen Garantie kommt.

Die Bienensauna-Anbieter werden ihre Kunden außerdem um weitere Daten zwecks Optimierung der Regelelektronik bitten. Über eine Webseite wird man z.B. Beuteformat, gezählte Varroamilben, Einschätzung der Volkstärke etc. eingeben können.

Arbeitsweise

Die Bienensauna gibt dem Imker viel Flexibilität in seiner Arbeitsweise. Heute wurde aber vorgestellt, wie aus Sicht des Herstellers der optimale Verlauf des Behandlungsjahres aussieht:

  1. Eine Behandlung erfolgt im Winter rund um Weihnachten. Der Wirkungsgrad ist dabei besonders hoch. Man beobachtet sogar an relativ warmen Wintertagen einen kurzen Ausflug (z.B. zum Abkoten) einiger Bienen, die aber rasch wieder in den Stock zurückkehren. Heute war davon die Rede, dass die Winterbehandlung sogar einen regelrechten Vitalisierungsschub der Bienen bringt, der sich im Frühling durch frühere Aktivität der Völker bemerkbar macht.
  2. Die zweite Behandlung erfolgt nach dem Abschleudern des Honigs. Idealerweise verschließt man in der Nacht davor die Fluglöcher, um während der Behandlung alle Bienen zu erwischen.

Beutenformat

Die Bienensauna wird für Dadant (unser Maß) und in einer zweiten Variante für kleinere Beuten angeboten. Bei kleineren Varianten ist möglicherweise ein Adapter notwendig. Zu diesem Thema wurde heute erwähnt, dass man bei Fragen auf das Bienensauna-Team zukommen soll.

Wie geht es weiter?

In den nächsten Wochen startet die Serienproduktion der Bienensauna. Parallel sucht das Bienensauna-Team aktiv die Zusammenarbeit mit Bienenforschungsinstituten, um die Wirkung mit Säuren und Medikamenten wissenschaftlich zu vergleichen und die Behandlung weiter zu optimieren.

Wer Lust hat kann beim Bauen sogar helfen. Das Bienensauna-Team organisiert Bauwochenenden in Schweden und Deutschland.

Persönliches Fazit

Wir werden der Bienensauna eine Chance geben und zugreifen. Die Chance, in Zukunft ohne Säure auszukommen, ist verlockend. Die in den letzten Jahren gesammelten Praxiserfahrungen zu Hyperthermie hat uns überzeugt, auch wenn die wissenschaftlichen Daten noch nicht komplett sind.

Auf mich hat das Bienensauna-Team sehr sympathisch und kompetent gewirkt. Während des heutigen Termins wurde live ein Volk behandelt und wir konnten sehen, dass die Bienen ganz ruhig blieben. Meiner Meinung nach konnte man bei der heutigen Vorführung die Liebe des Teams zu den Bienen spüren. Das möchten wir unterstützen.

Richard Rossa

Richard Rossa

Florian Deising

Florian Deising