Die Bienensauna

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Heute war das Team der Bienensauna zu Gast bei uns in Linz. Gastgeber war die Linzer Biene. Die Bienensauna ist ein neues Gerät zur Chemie-freien Behandlung von Bienenvölkern gegen die Varroamilbe. Es ist also eine Alternative zu Produkten wie dem Varroacontroller oder dem Varroa Kill.

Mir persönlich liegt dieses Thema sehr am Herzen. Ich kann mich noch gut an unsere erste Imker-Schulung erinnern. Dort wurde unter anderem die Varroa-Behandlung mit verdampfter Oxalsäure erklärt und dabei sahen wir ein Foto eines Imkers, der am Bienenstand mit Atemschutzmaske arbeitete. Dieses Bild hat mich schockiert. Schutzmaske und Bio-Imkerei passten in meinem Kopf einfach nicht zusammen (daher behandeln wir bisher recht erfolgreich mit dem Nassenheider Verdunster und ohne Oxalsäure). Seit damals bin ich sehr interessiert an allen Ansätzen, die ohne Chemie auskommen würden.

In diesem Blogartikel möchte ich den Inhalt der heutigen Veranstaltung zur Bienensauna zusammenfassen. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen Imker, der nicht die Gelegenheit hat, eine Präsentation der Bienensauna persönlich zu erleben.

Richard Rossa, der Erfinder der Bienensauna, zeigt sein Produkt

Richard Rossa, der Erfinder der Bienensauna, zeigt sein Produkt

Grundprinzip: Hyperthermie statt Chemie

Die Bienensauna setzt auf die Wirkungsweise der Hyperthermie. Bei diesem Verfahren nutzt man die Tatsache, dass Varroamilben gegenüber Wärme empfindlicher sind als Bienen. Hyperthermie wird nicht nur bei Bienen und Varroamilben eingesetzt sondern wird auch beim Menschen zum Beispiel als ergänzende Behandlung bei Krebserkrankungen verwendet.

Es gibt eine Menge Herausforderungen bei der Anwendung von Hyperthermie im Bienenstock. Hier einige Beispiele:

  1. Die Wärme muss gleichmäßig im Stock verteilt werden (auch als Wärmegleichgewicht bezeichnet). Es darf keine kühlen oder zu heißen Stellen geben. Ansonsten überlebt dort die Milbe oder werden die Bienen durch zu hohe Temperatur geschädigt.
  2. Es muss eine Temperatur erreicht werden, die die Milben abtötet, den Bienen aber nicht schadet.
  3. Die Luft muss im Stock zirkulieren können (“Lüftungskanal”).
  4. Die Bienen müssen sich gut im Stock verteilen und nicht durch Klumpen die Behandlung beeinträchtigen.
  5. Die Behandlungsdauer muss abhängig von vielen Faktoren (z.B. Außentemperatur, Größe der Beute, Behandlung mit oder ohne Bienen etc.) geregelt werden.
  6. Die Wärmeerzeugung braucht viel Energie, es muss also eine Lösung für die Stromversorgung auch an entlegenen Bienenständen gefunden werden.

Ein Hyperthermiegerät ist also keine Bastlerei auf ein Wochenende. Es braucht schon ein professionelles Herangehen wie bei der Bienensauna oder den oben genannten Alternativgeräten.

Warum Hyperthermie und nicht Säure oder Medikamente?

Wozu braucht es eigentlich eine Alternative? Was ist schlecht an der Behandlung mit Säure? Hier einige Beispiele:

  1. Die Dosierung der Säure ist ein schmaler Grad. Es kann leicht zu Schädigungen der Völker durch Verätzung von Bienen kommen. Behandelt wird vor und während des Winters, also in einer für das Volk kritischen Phase. Jede Schädigung kann das Überleben der Bienen gefährden.
  2. Die Säurebehandlung ist nicht jederzeit möglich. Während Honig eingetragen wird geht es nicht, denn die Säure würde den Honig beschädigen. Bei Ameisensäure darf es nicht zu kalt sein, damit sie gut verdunsten kann. Für Oxalsäure muss das Volk brutfrei sein (nicht einfach bei den warmen Wintern, die wir momentan haben).
  3. Medikamente sind problematisch da sich die Milben relativ schnell daran gewöhnen. Hyperthermie setzt auf biochemische Vorgänge, an die sich der Organismus nicht gewöhnen kann. Natürlich könnte sich die Milbe durch Evolution physisch verändern, dieser Prozess würde jedoch viel Zeit in Anspruch nehmen.

Ein Hyperthermiegerät, im speziellen die Bienensauna, hat im Vergleich dazu viele Vorteile:

  1. Die Behandlung ist jederzeit möglich, selbst während der Honigernte wenn es sein muss. Im Gegensatz zu Säure oder Medikamente wirkt sich die Wärmebehandlung nicht negativ auf den Honig aus, weil die Wärmeleistung zu gering ist, um die Honigmasse zu durchdringen.
  2. Die Wärme wirkt sowohl auf die Milben, die auf den Bienen sitzen (adulte Milben) als auch auf die Milben in der Brut (juvenile Milben, noch empfindlicher auf Wärmebehandlung als adulte). Insofern kann man mit Bienen, Waben ohne Bienen, Ableger etc. behandeln.
  3. Bei Bedarf kann man durch verringerte Temperaturen den Bienen helfen, außergewöhnliches Schlechtwetter z.B. im Frühling zu überstehen oder die Honigreifung unterstützen.
  4. Es kann ohne weiteres öfter behandelt werden (z.B. bei Reinvasion), da die Bienen nicht geschädigt werden.

Den Vorteilen steht natürlich der Anschaffungspreis gegenüber. Das Bienensauna-Team widmet dieser Frage eine eigene Seite zum Thema Rentabilität.

Aufbau der Bienensauna

Cornelia Rossa-Comes zeigt ein Heizelement, das mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden kann

Cornelia Rossa-Comes zeigt ein Heizelement, das mit wenigen Handgriffen ausgebaut werden kann

Die Bienensauna wird in einen speziellen Beutenboden (im Lieferumfang enthalten) eingeschoben und wärmt von unten. Sie besteht aus mehreren Heizmodulen (ausbaubar und getrennt zu tauschen im Fall von Defekten) mit unabhängig gesteuerten Lüftern, die die warme Luft nach oben durch ein feinmaschiges Gitter blasen. Im Gerät unten sind auch Temperaturfühler eingebaut, die zur Regelung der Temperatur verwendet werden.

Die Bienensauna wird in den Universalboden eingeschoben

Die Bienensauna wird in den Universalboden eingeschoben

Bezüglich Boden hat man zwei Möglichkeiten:

  1. Man hat einen Boden für die Bienensauna und tauscht den normalen Boden, der immer unter den Bienen steht, während der Behandlung durch den Boden für die Bienensauna aus.
  2. Man kauft sich mehrere Böden und stellt alle Völker dauerhaft auf einen Bienensauna-kompatiblen Boden. Das macht die Behandlung natürlich noch bequemer.

Oben auf die Beute wird ein spezieller Deckel gelegt (im Lieferumfang enthalten). Er sorgt für einen Abstand von drei bis vier Zentimeter zwischen Wabenoberseite und Deckel damit die Luft dort gut zirkulieren kann. Der Deckel hat außerdem ein Loch, durch den ein weiterer, mit dem Gerät unten verbundener Temperaturfühler in den Stock gesteckt wird.

Die Bienen bleiben während der Behandlung ganz ruhig; im Hintergrund der Temperaturfühler

Die Bienen bleiben während der Behandlung ganz ruhig; im Hintergrund der Temperaturfühler

Die Stromversorgung geschieht entweder über ein spritzwassergeschütztes Netzteil, das am Stromnetz oder an einen Generator angeschlossen wird. Alternativ wird die Bienensauna auch mit Akku statt Netzteil angeboten. Der Akku reicht für eine Behandlung und kann danach binnen ca. sechs Stunden wieder aufgeladen werden. Die Leistung der Bienensauna beträgt 800W bei 48V Spannung. Der leistungsfähige Spezialakku ist also wirklich notwendig. Der Preis zum Kaufen weiterer Akkus ist leider relativ hoch (ca. 450€).

Florian Deising zeigt den Akku der Bienensauna

Florian Deising zeigt den Akku der Bienensauna

Funktionsweise der Bienensauna

Wie erwähnt bläst die Bienensauna von unten warme Luft in die Beute. Wichtig ist, dass die Luft zirkulieren kann. Dafür muss durch Entnahme zweier Rähmchen am Rand (eines links, eines rechts) eine Art Lüftungskanal erstellt werden.

Heizelemente der Bienensauna

Heizelemente der Bienensauna

Durch die Regelungselektronik wird der Stock langsam und gleichmäßig auf knapp über 40° erwärmt und für ca. 45 Minuten auf dieser Temperatur gehalten. Je nach Größe der Beute (ein Raum, mehrere Räume, verschiedene Beuteformate) dauert die Behandlung zwischen 1,5 und drei Stunden.

Ein optionales Befeuchtungsmodul (noch nicht fertig, konnte daher heute nicht gezeigt werden) kann Wasser mit Ultraschall verdampfen. Die feuchte Luft kann zur Regelung der Luftfeuchtigkeit in den Stock geblasen werden. Dieser Prozess wird von der Regelelektronik automatisch gesteuert. Natürlich kann über diesen Weg auch normale Außenluft eingeleitet werden (um einem erhöhten CO² Gehalts während der Behandlung vorzubeugen).

Während der gesamten Anwendung zeichnet die Elektronik Sensordaten auf (z.B. Temperatur, Geschwindigkeit der Lüfter etc.). Die Bienensauna kann über USB an PC oder Mac angeschlossen werden. Eine spezielle Software überträgt dabei die Sensordaten zu den Bienensauna-Servern. Dort werden diese Daten zur Fehleranalyse, zur Verbesserung der Regelungsalgorithmen und zur Hyperthermie-Forschung in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten verwendet. Die Übertragung der Sensordaten muss mindestens einmal jährlich geschehen, damit man in den Genuss der fünfjährigen Garantie kommt.

Die Bienensauna-Anbieter werden ihre Kunden außerdem um weitere Daten zwecks Optimierung der Regelelektronik bitten. Über eine Webseite wird man z.B. Beuteformat, gezählte Varroamilben, Einschätzung der Volkstärke etc. eingeben können.

Arbeitsweise

Die Bienensauna gibt dem Imker viel Flexibilität in seiner Arbeitsweise. Heute wurde aber vorgestellt, wie aus Sicht des Herstellers der optimale Verlauf des Behandlungsjahres aussieht:

  1. Eine Behandlung erfolgt im Winter rund um Weihnachten. Der Wirkungsgrad ist dabei besonders hoch. Man beobachtet sogar an relativ warmen Wintertagen einen kurzen Ausflug (z.B. zum Abkoten) einiger Bienen, die aber rasch wieder in den Stock zurückkehren. Heute war davon die Rede, dass die Winterbehandlung sogar einen regelrechten Vitalisierungsschub der Bienen bringt, der sich im Frühling durch frühere Aktivität der Völker bemerkbar macht.
  2. Die zweite Behandlung erfolgt nach dem Abschleudern des Honigs. Idealerweise verschließt man in der Nacht davor die Fluglöcher, um während der Behandlung alle Bienen zu erwischen.

Beutenformat

Die Bienensauna wird für Dadant (unser Maß) und in einer zweiten Variante für kleinere Beuten angeboten. Bei kleineren Varianten ist möglicherweise ein Adapter notwendig. Zu diesem Thema wurde heute erwähnt, dass man bei Fragen auf das Bienensauna-Team zukommen soll.

Wie geht es weiter?

In den nächsten Wochen startet die Serienproduktion der Bienensauna. Parallel sucht das Bienensauna-Team aktiv die Zusammenarbeit mit Bienenforschungsinstituten, um die Wirkung mit Säuren und Medikamenten wissenschaftlich zu vergleichen und die Behandlung weiter zu optimieren.

Wer Lust hat kann beim Bauen sogar helfen. Das Bienensauna-Team organisiert Bauwochenenden in Schweden und Deutschland.

Persönliches Fazit

Wir werden der Bienensauna eine Chance geben und zugreifen. Die Chance, in Zukunft ohne Säure auszukommen, ist verlockend. Die in den letzten Jahren gesammelten Praxiserfahrungen zu Hyperthermie hat uns überzeugt, auch wenn die wissenschaftlichen Daten noch nicht komplett sind.

Auf mich hat das Bienensauna-Team sehr sympathisch und kompetent gewirkt. Während des heutigen Termins wurde live ein Volk behandelt und wir konnten sehen, dass die Bienen ganz ruhig blieben. Meiner Meinung nach konnte man bei der heutigen Vorführung die Liebe des Teams zu den Bienen spüren. Das möchten wir unterstützen.

Richard Rossa

Richard Rossa

Florian Deising

Florian Deising

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About r.stropek

Rainer Stropek is co-founder and CEO of the company software architects and has been serving this role since 2008. At software architects Rainer and his team are developing the award-winning SaaS time tracking solution “time cockpit”. Previously, Rainer founded and led two IT consulting firms that worked in the area of developing software solution based on the Microsoft technology stack. Rainer is recognized as an expert concerning .NET development, software architecture and database management. He has written numerous books and articles on C#, database development, Windows Azure, WPF, and Silverlight. Additionally he regularly speaks at conferences, workshops and trainings in Europe and the US. Rainer graduated the Higher Technical School Leonding (AT) for MIS with honors and holds a BSc (Hons) Computer Studies of the University of Derby (UK). You can follow Rainer on Twitter (@rstropek) and Facebook (http://www.facebook.com/profile.php?id=1671935584) or read his blogs at http://www.timecockpit.com und http://www.software-architects.com.

6 thoughts on “Die Bienensauna

  1. Fjonka

    Nachfrage:
    – Wie macht man es denn, daß die Bienen keine Klumpen bilden?
    Ansonsten fand ich das hier sehr informativ – habe mir vor einiger Zeit schon die Seite über die Bienensauna angeschaut, aber jetzt noch mehr Details erfahren, danke dafür.
    – “Wir werden der Bienensauna eine Chance geben und zugreifen.” – bedeutet das, Ihr kauft Euch eine für Eure wenigen Völker, oder seid Ihr in einem Verein, der dafür zusammenlegt?

    Reply
    1. r.stropek Post author

      Hallo Fjonka!

      Wir sind bei uns in der Region mit Dadant relativ alleine. Die meisten imkern mit Einheitsmaß-Beuten. Daher haben wir uns entschlossen, für uns eine eigene im Dadant-Format zu kaufen. Natürlich werden wir das Gerät mit unseren Kollegen und Kolleginnen im Verein teilen (mit Adapter auch auf andere Beutenformen anwendbar). Ausprobieren möchten es viele soweit ich gehört habe. Vielleicht kommen ja auch im Lauf der Zeit noch andere Imker mit Dadant dazu, bei denen das Gerät ohne Adapter passt.

      lg,
      Rainer.

      Reply
      1. Fjonka

        Wie schde, daß Ihr so weit weg seid, zu und zu gerne würde ich die auch mal einfach ausprobieren können – ich bin sehr, sehr gespannt auf Eure Erfahrungsberichte und Erfolgs- oder Mißerfolgsmeldungen!!!

    2. Florian

      Hallo Fjonka,
      wir wärmen die Beute sehr langsam auf und kommen erst nach einer halben Stunde auf Brutnesttemperatur. Das was die Heizerbienen mühsam an Wärme produzieren, tut die Bienensauna für sie, so dass die Bienen sich insgesamt entspannen und zu fressen beginnen und sich in der Beute verteilen. Die Behandlung selber ist zu kurz und auch nicht warum genug, um die Bienen in Erregung zu versetzen.

      Reply
      1. Fjonka

        Gibt es eigentlich noch das Angebot, für eine Spende von – waren es 250 Euro? einen Besuch mit Demonstration der Sauna am eigenen Bienenstand zu bekommen? Ich finde da nichts mehr auf der website, aber ich meine mich zu erinnern, daß das auf einer anderen Seite war, auf die man per Klick von Euch aus kam…. weil, das würde ich wirklich gern machen….

  2. Pingback: Die Bienensauna | Alles zu Bienen-Honig

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